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Wertacher Alphornbläser
Wertacher Alphornbläser
Wertacher Alphornbläser
Wertacher Alphornbläser
1568 Algeyerhorn
1568 Algeyerhorn
Wertacher Alphornbläser mit Algeyerhorn
Wertacher Alphornbläser mit Algeyerhorn
1684 St. Coloman-Kirche
1684 St. Coloman-Kirche
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Alphornblasen

Von Pfingsten bis September findet wöchentlich das Alphornblasen in Wertach statt. Hier erfahren Sie auch etwas über die Geschichte des Alphorns. Termine finden Sie im Veranstaltungskalender.

Alphornbläsergruppe Wertach
1974 erklang in Wertach wieder das Alphorn. Vom damaligen Trio ist heute noch Paul Knoll als Bläser der 1. Stimme und musikalischer Leiter dabei. Sein Neffe Ludwig Knoll bläst seit über 25 Jahren die 3. und Reinhard Probst seit einigen Jahren die 2. Stimme. 2007 schloss sich Christoph Rauch an und bläst seitdem die 3. Stimme jetzt im Quartett. Über 30 Jahre schon erfreuen die Alphornbläser die Zuhörer im Wertacher Ortsteil Bichel, wenn Ihre Alphornweisen vom Berg herab erklingen. Auch im sakralen Bereich kann man sie hin und wieder hören. Erstmals 2013 beim Adventlichen Singen und Musizieren in Wertach überraschten uns die Wertacher Alphornbläser mit einem Nachbau des „Algeyerhorn" und mit dem Rohrmooser- Ruef von Paul Knoll (siehe Bild und Geschichtliches vom Alphorn im Allgäu). Wie bisher werden sie auch in Zukunft bemüht sein, das Alphornspiel im Sinne einer richtig verstandenen "Volkskunst" zu pflegen, möglichst in freier Natur, wo es auch seinen Ursprung hat.

Geschichtliches vom Alphorn im Allgäu
Schon vor ca. 400 Jahren, also um das sechzehnte Jahrhundert, wurde das Alphorn als Verständigungsmittel der Hirten von Alpe zu Alpe verwendet. Bestimmte Tonfolgen hatten mit Sicherheit eine dementsprechende Bedeutung, so z. B. am frühen Morgen als Weckruf, bei Gefahr das Vieh zu locken u.s.w. .
Im Allgäu kannte man damals die etwas kürzere Ausführung des Alphorns, es waren Schalmei ähnliche lange Holzpfeifen, sogenannte Streck oder „Algeyerhorn" die meist einstimmig geblasen wurden, im Gegensatz zu heute, wo man doch die Mehrstimmigkeit liebt.
Den Beweis dafür, dass damals schon Alphorn geblasen wurde, findet man in einer kleinen Bergkapelle im Rohrmoos . S' Rohrmoos liegt in einem Seitental von Oberstdorf. In einem Altarbildausschnitt dieser kleinen Bergkapelle aus dem Jahre 1568 ist in einer Anbetungsszene ein Alphornbläser dargestellt und im Hintergrund ist eindeutig der Grünten erkennbar (siehe Bild).

Auch in der St. Coloman-Kirche in Schwangau OAL ist im Hauptaltarbild der Hl. Coloman in mitten einer Viehherde dargestellt und in der linken Hand hält er ein Alphorn, unten gebogen, so wie wir es heute kennen und blasen. Dies Bild, gemalt von Bartholomäus Bernhard spätestens 1684 Einweihung dieser Kirche 1685 ( siehe Bild )

Irgendwann ist dann das Alphorn im Allgäu in den Dornröschen Schlaf gefallen, darüber gibt es keine Aufzeichnungen.

Der gebürtige Marktoberdorfer Hermann Regner hat im Zuge seines Musikstudiums 1958 das Alphorn in der Benediktiner-Abtei in Ottobeuren wieder entdeckt, den sogenannten Pifel, ein ca. 3 Meter langes aus Birkenholz gefertigtes und mit Leinen und Papier umwickeltes Alphorn, das zu besonderen Feierlichkeiten von den Mönchen unter Anderem in der Christmette geblasen wurde. Regner konnte Berufsbedingt das Alphorn nicht weiter verfolgen und so wurde Michael Bredl aus Hindelang, der als Volksmusikpfleger von Schwaben tätig war beauftragt, das Alphorn im Allgäu wieder heimisch zu machen. Das Alphorn hat einen großen Siegeszug im Allgäu erlebt und heute gibt es im Allgäu über hundert Alphornbläsergruppen.

Zum Bau des Alphorns eine kurze Erklärung
Die heutigen Alphörner werden meist aus Fichtenholz gebaut. Dazu werden sehr eng gewachsene ca. 30 cm starke Stämme in meist mittleren Gebirgslagen geschlagen, abtransportiert der Länge nach, durchgeschnitten und gelagert. Damit der Trocknungsprozess nicht zu schnell erfolgt und um Rissbildungen im Holz weit gehenst zu vermeiden, wird der Stamm vorher nicht entrindet. Nach mehrjähriger Trocknungszeit wird der Stamm entrindet, ausgehöhlt, auf die richtige Form gebracht, geschliffen und wieder zusammen geleimt. Das nun fast fertige Alphorn wird dann meist noch mit Petigrohr oder Weidenrute umwickelt und lackiert, das Alphorn erhält dadurch eine bessere Stabilität.
Das Mundstück, das man zum Anblasen des Tones braucht ist ebenfalls aus Holz und wird aus sehr harten Hölzern gedrechselt beispielsweise aus Buchsbaum oder Olivenbaum .. beide Teile aus gleichem Material,
a) Alphorn als Klang und Resonanzkörper und b) Mundstück als Anblaseart, das ergibt diese natürliche, weiche Klangfarbe des Alphorns.