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Pfarrkirche St. Ulrich
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Wertach Fantasiebild
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Wertach nach dem Brand
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Wertach nach dem Brand
Wertach nach dem Brand
Wertach nach dem Brand
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Wertach1931
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Wertach › Service

Ortsvorstellung

Wertach am Fuße des Grünten im südlichen Oberallgäu ist der höchstgelegenste Markt Deutschlands (915-1695m). Zwei Drittel des Luftkurortes stehen unter Landschafts- und Naturschutz.

Wertach stellt sich vor

Wertach ist ein Ort mit 2.950 Einwohnern (davon ca. 500 Zweitwohnungsinhaber) und einer Fläche von 4553 ha, davon rd. 2000 ha Wald-Alpenfläche. Der Ort liegt idyllisch ruhig und doch zentral etwa 10 km westlich der Nord-Süd-Autobahn A 7 Ulm-Kempten Reutte (Tirol) und unmittelbar an der Queralpenstraße B 310 Wertach – Tannheimer Tal, am Fuße der beginnenden großen Alpen- und Hochgebirgskette im Oberallgäu.

Mit 915 m (bis 1695 m "Wertacher Hörnle") über dem Meeresspiegel ist Wertach der höchstgelegene Marktflecken Deutschlands. Zweidrittel des Gemeindegebietes stehen unter Natur- und Lanschaftsschutz. Das Wertachtal, nach dem gleichnamigen Fluss benannt, ist etwa 4 km von der österreichischen Landesgrenze entfernt. Es beginnt mit dem Grüntensee, der 1961 als Wasserrückhaltebecken aufgestaut wurde und ca. 134 ha groß ist, - wird nördlich flankiert von dem aus der vergangenen Eiszeit entstandenen Moränenhügel Ellegghöhe (1136 m), östlich von der Reuterwanne (1541 m), südlich Sorgschrofen (1636 m), Wertacher Hörnle (1695 m). Am Ende des Tales thront der Grünten, seine Majestät, der Wächter des Allgäus“- das Brustbild eines urgewaltigen Riesen, mit zwei mächtig ausladenden Schultern und über deren Mitte ein stolzes, felsgekröntes Haupt. Die Berge sind bis an die Gipfel mit Alpenflora und Wald bedeckt, so dass sie von jedem Wanderer mühelos gegangen werden können. Nur der Sorgschrofen und der Grünten zeigen ihre felsige Natur. Zur Marktgemeinde Wertach gehören die Filialen Hinterreute, Vorderreute, Bichel, Enthalb der Ach, auf der südöstlichen Talseite, sowie Hinterscheid, Vorderschneid, Schray, Unter- und Oberellegg und Gereute auf der nordwestlichen Seite des Tales.

Wertach ist zentral gelegen: in östlicher Richtung sind Füssen-Oberbayern;in südlicher Richtung Österreich-Innsbruck-Oberitalien; in westlicher Richtung der Bodensee-Fürstentum Liechtenstein und die Schweiz leicht zu erreichen. Der Bahnreisende verlässt in Oy-Mittelberg (Strecke Kempten-Pfronten-Reutte) den Zug, von hier Busverbindung zur Marktgemeinde Wertach. Per Auto erreicht man Wertach über die Nord-Süd Autobahn A7 Ulm-Kempten –„Allgäuer Kreuz“, von hier Richtung Füssen-Reutte/Tirol bis Oy-Mittelberg. Von Oy-Mittelberg auf der B 310 nach Wertach.

Ca. 1.850 Gästebetten für alle Ansprüche, vom behaglichen Privatzimmer über Ferienwohnungen bis zum Hotelzimmer, stehen dem Gast im Luftkurort zur Verfügung. Pro Jahr werden ca. 260.000 Übernachtungen (11.000 Übernachtungen pro 100 Einwohner) erreicht. Der Tourismus ist mit einem Umsatz von ca. 21 Millionen Euro und damit über 300 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber im Ort.

Ca. 60 landwirtschaftliche Betriebe sorgen durch ihre Bewirtschaftung dafür, dass die Wiesen, Wälder und Alpen gepflegt werden. Durch die Höhenlage bedingt handelt es sich hierbei ausschließlich um Grünlandbetriebe. Teilweise wird die Milch direkt in der Wertacher Sennerei zu Bergkäse verarbeitet. Im Schnitt hat ein Oberallgäuer Bauer noch 12 Milchkühe. Nur noch 1/3 der landwirtschaftlichen Betriebe können aus den Erträgen der Milchprodukte leben. Viele Betriebe bieten deshalt „Urlaub auf dem Bauernhof“ an. In der Marktgemeinde Wertach gibt es einen sehr aktiven Arbeitskreis, der sich durch die Durchführung von Winterfesten und Schmückung des Ortseinganges und der Ortsbrunnen schon sehr verdient gemacht hat. Der Grüne Pfad (bei der Stocka-Tanne) gibt Auskunft über das Thema "Landwirtschaft".

Mit über einhundert Arbeitsplätzen ist die Firma Berger der größte einzelne Arbeitgeber im Ort. Neben zwei Sägewerken dominieren verschiedene Handwerksbetriebe, zwei Banken und diverse Einzelhandelsgeschäfte.

Man kann sich heute gar nicht vorstellen, dass die bizarre Bergwelt der Allgäuer Alpen eine große vom Meer bedeckte Ebene war; denn diese Berge sind von der erdgeschichtlichen Entwicklung aus gesehen, sehr jung. Vor etwa 200 Millionen Jahren (Erdzeitalter ca. 4,5 Milliarden Jahre) haben sich wie von unsichtbarer Hand geschoben die Erdmassen vom Süden her in Bewegung gesetzt und so die große Alpenkette aufgetürmt.

Die letzten Eiszeiten halfen mit, das Gesicht der heutigen Landschaft zu prägen. So sind auch die sanften Voralpen-Hügel (z.B. die Ellegghöhen) sowie Hochmoore und Alpengletscherseen entstanden. Bis ins 17. Jahrhundert herrschte bei uns ein großer Wildreichtum. Heutige Flurnamen wie Ellegghöhe (von Elch) oder Wolfsgrube, Bärenwinkel, weisen noch darauf hin. Da sich der Lauf der Wertach einige Male verändert hat, ist es heute schwer, die Ansiedlungsgeschichte zu rekonstruieren. Fest steht nur, dass der Weiler Hinterreute die erste Ansiedlung war. Sehr früh nachgewiesen ist ein Königshof der Karolinger, nichts anderes als ein Verpflegungslager für die Soldaten, heute noch „Karolingerhof“ genannt, oder auch unter dem Hausnamen „Uff de Hofa“ bekannt.

Der wohlklingende Name „Wertach“ stammt von der keltischen Flußbezeichnung „Virdo“ (gesprochen "werdda"). Das bedeutet, dass sich die ersten Ansiedler schon vor Christi Geburt im Wertachtal eingefunden haben. Bereits Konstantinus hat die in Rhätien eingefallenen Alemannen wiederholt um 292 im Wertachtal geschlagen. Anno 1000 bestand bereits eine Pfarrei St. Maria. Die erste Pfarrkirche soll Bischof Ulrich, der Streiter vom Lechfeld, um 955 eingeweiht haben. Etwa 1149 schenkte ein gewisser Hiltibrand dem Kloster St. Ulrich in Augsburg, welches heute noch Besitzungen hier hat, ein Gut. Der Ertrag dieses Gutes soll jährlich „40 Käslaibe“ eingebracht haben. Die Wertacher zahlten ihre Steuern an die Herren von Rettenberg (Heinrich von Röthenberg). Dieser veräußerte am 13.6.1331 das Patronatsrecht über Wertach an das Kloster Stams/Tirol. So musste Wertach seinen Zehnten bis 1848 nach Stams entrichten. Für kurze Zeit (urkundlich erwähnt 1327 und 1434) hatten Vasallen der Rettenberger Herren in Wertach eine Burg (siehe Gedenkstein auf dem „Schloßbichl“ neben der St. Sebastians-Kapelle). Das Geschlecht ist aber bald erloschen und auch die Rettenberger verkauften ihre Herrschaft 1351 an den Bischof von Augsburg. Fortan lebten unsere Ahnen als Leute der sogenannten „unteren Pflege“ unter dem „Krummstab“, bis Wertach durch die Säkularisation 1803 nach Bayern kam.

Bis dahin aber mussten die Wertacher vieles ertragen. So ist schon für das Jahr 1350 eine Pestseuche beurkundet. Im Jahre 1511 brach in 34 Häusern die Pest aus und es starben 105 Menschen daran, darunter 49 Kinder und 1635 wurden nicht weniger als 700 Pesttote in einem Massengrab bei der heutigen Pfarrkirche bestattet. Der Pestgottesacker wurde 1865, anläßlich einer Friedhofserweiterung entdeckt; auch bei der Kirchenerweiterung 1978/79 stieß man auf Gräber, siehe Gedenktafel an der Pfarrkirche. Noch schlimmer aber hatte die Marktgemeinde Wertach unter geradezu verheerenden Bränden zu leiden. Die folgende nüchterne Aufzeichnung birgt ein fast unfassbares Maß an Tränen über Verlust von Hab und Gut. Am 21. Februar 1530 verbrannten 118 Häuser und die Kirche; 30.04.1569: der größte Teil der Marktgemeinde und die Kirche brannten ab. Am 16. Juli 1856 gab es eine grosse Überschwemmung des Wertachtales. 1605: in 1 ½ Stunden brannten 140 Häuser und die Pfarrkirche ab, nur 7 Häuser blieben verschont; 1632 steckten die Schweden die Kirche in Brand und ein Jahr später brannten sie den ganzen Ort bis auf sechs Häuser nieder. 1682 brach eine Lungenseuche beim Vieh aus.

Am 1. Januar 1893 um 7 Uhr brach bei Thomas Lochbühler (der in der Nacht vom 7.-8. Febr. 1851 durch 16 Dolchstiche ermordet worden war), Feuer aus; in 5 Stunden lagen 16 Häuser in Asche. Die Kirche stand damals noch am Platze des heutigen Gasthofes „Engel“.

Die letzte grosse Brandkatastrophe am 16.4.1893 vernichtete 110 Häuser sowie Dach und Turm der heutigen Pfarrkirche. Ein junger Bursche mit einer brennenden Zigarre soll sich in einem Stall befunden haben. Kurz als er das Haus verließ stand dieses als erstes Haus in Flammen. Er soll verhaftet worden sein. Da die wenigsten Wertacher gegen Brand versichert waren, standen sie nun bettelarm vor dem Nichts. Ein äußerst wertvoller Pokal von Schlossermeister Wittwer, der 1888 beim Bundesschiessen gewonnen wurde und vom Prinzregenten gestiftet wurde, konnte gerettet werden.

Als „Liebesgaben“ für die Abgebrannten in Wertach gab es u.a. 5000 Mark vom Kgl. Prinzregenten, 1.265 Mark von der Stadt Füssen 1000 Mark von der Stadt Kempten, je 800 Mark von der Gemeinde Schöllang und Pfronten. Vom 17. bis 25. April kamen so 11.196 Mark Spendengelder herein. Innerhalb von zwei Jahren entstand ein neues Wertach, deshalb sehen Sie heute im Dorf nur ein paar alte Allgäuer Bauernhäuser. Damals wurden italienische Maurer zum Aufbau des Ortes eingesetzt- über die Opfer der Napoleonischen Kriege erzählt eine Gedanktafel in der Pfarrkirche (Nordportal).

Im 18. und 19. Jahrhundert erlebten die Wertacher fünf Hungerszeiten. Missernten wirkten sich zu Katastrophen aus, da die Wertacher ehemals Selbstversorger waren. Es wurden Getreide, Kartoffeln, Hanf, Flachs usw. angebaut. Die drei Mühlräder im Wertacher Wappen zeugen davon. Zu dieser Zeit wurde Wertach von sieben Hochwasserkatastrophen heimgesucht, die fast jedesmal sämtliche große Brücken über die Starzlach und Wertach fortspülten.

Schließlich sollte ein aufmerksamer Besucher unseres Ortes die beiden kunstvoll gestalteten Kriegerdenkmäler am Friedhofsrand nicht übersehen, die als Mahnmal und zum Gedenken der mehr als 170 gefallenen Väter und Söhne Wertachs errichtet wurden. Am 28.4.1945 wäre Wertach fast zum sechsten Mal ein Raub der Flammen geworden. Nur ein paar mutige Männer haben es im letzten Augenblick verhindern können. Die Amerikaner standen bereits an der Ortsgrenze Wertachs, da befanden sich noch ca. 2000 deutsche Soldaten im Ort mit dem Befehl, die Feinde aufzuhalten. Die ersten beiden Anwesen brannten bereits.

Das Wertacher Wappen

Wer sich heute den grünen Schild des Wertacher Wappens ansieht, denkt wohl in den wenigsten Fällen daran, dass es ebenfalls ein Grün war, das dem Ort Wertach seinen Namen gegeben hat. Dies zumindest meinen Ortsnamenforscher, die den Flussnamen vom lateinischen „aqua viridus“ ableiten, was soviel wie grünes Wasser bedeutet. Wenn wir den Zusammenhang mit dem französischen „vert“ (grün) nicht verleugnen wollen, so könnte dann tatsächlich der grüne Fluss dem Ort den Namen gegeben haben. Im Wappen von Wertach ist der Fluss nicht grün, sondern silbern ins grüne Feld gesetzt. Dabei treibt er drei Mühlräder an, die die Obere-, die Untere- und die Reutemühle darstellen sollen.


Die erste Mühle in Wertach wurde übrigens schon im Jahre 1412 erwähnt. Der Vater von Johannes und Thomas Mayer soll sie gekauft haben und sie soll damals schon so alt gewesen sein, dass „das niemand verdenckt“. 1451 wird dann sogar noch ein Acker „ze der alten Mülin“ genannt, bevor wir dann auch 1613 von der Oberen- und Unteren Mühle erfahren. Heute sind nur noch Teile der Oberen Mühle erhalten.

Zu dieser Zeit nannte sich Wertach schon Markt, doch war kein altes Wappen vorhanden. Erst 1872 hat der Gemeindeausschuß um die Verleihung eines Wappens gebeten, doch wurde die darauf vorgesehene Blumenbekränzung vom Reichsheroldsamt abgelehnt. Der Entwurf mit den Mühlrädern aber wurde genehmigt und von König Ludwig II am 31.8.1872 auf Schloß Berg gebilligt. Am gleichen Tag wurde übrigens das Hindelanger Wappen verliehen.

Somit hatte dann Wertach, rund 450 Jahre nach der Markterhebung im Jahre 1423, auch ein eigenes Wappen. Das Marktrecht wird heute noch am 1. Mai und am Viehscheid (meist 18. September) ausgeübt. Hierbei findet jeweils ein Krämermarkt mit ca. 130 Ständen statt.

Quellenverzeichnis: Auszüge von Jochen König

Schimmelreiter
Schimmelreiter
Sorgalpe
Sorgalpe
Schimmelreiter
Schimmelreiter

Schimmelreitersage

Sage vom Schimmelreiter

Bei dieser Sage handelt es sich nicht um die berühmte „Schimmelreitersage“ von Theodor Storm, die jedes Kind schon in der Schule liest. Die Sage handelt im Allgäu und unterstreicht eher den Eintrag im Lexikon, welcher bei „Allgäuer“ als Definition „listiges Bergvolk“ angibt.

Zwischen Unterjoch und Jungholz unterhalb des Sorgschrofens soll er schon gesehen worden sein. Meistens bei Einbruch der Dämmerung, begleitet von heulenden Winden und donnernden Blitzen, bei Vollmond und hinter grauen Nebelschwaden. Mit großen Galoppsprüngen soll er sogar schon mit seinem weissen Schimmel über Alphütten gesprungen sein und so manchen Wanderer das Fürchten gelehrt haben.

Um die jahrelangen Grenzstreitigkeiten zwischen den Jungholzer und Wertacher Bauern wegen der Alpe Sorg zu beenden, wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts Dr. Ulrich Bach (gestorben 1495), damals Pfarrer und Dekan von Wertach, beauftragt, einen Schiedsspruch zu fällen. Ulrich Bach, Doktor des kanonischen rechtes und der Medizin, der auch Dekan des Landkapitels Kempten war, war im ganzen Landkreis als gelehrter, gottesfürchtiger Mann geschätzt und verehrt. So genoß er das Vertrauen beider Parteien. Jungholz gehörte zur damaligen Zeit noch bis 1722 zur Kirchengemeinde Wertach. Zugleich war Dr. Bach auch Medikus, Bürgermeister und Richter.

Ein Bauer, so die Sage, der einiges zu verlieren hatte, soll Dr. Bach gedroht haben, ihn zu töten, falls er nicht zu Gunsten Wertachs entscheidet. In seiner Verzweiflung und um sein Gewissen zu beruhigen, ersann er eine List. Er streute am Morgen des entscheidenden Tages von seinem Garten Erde in die Schuhe, nahm vom Brunnen vor dem Haus den (Trink-) Schöpfer, steckte ihn unter seinen Hut und ritt los. Als er vor dem bestellten Gremium die Grenze abgeschritten hatte, sprach er den Schwur: “So wahr ein Schöpfer über mir, steh ich auf Wertachs Boden hier.“ Die Jungholzer mußten also verzichten und den Wertachern wurde die Alpe als ihr Eigentum zugesprochen. Zur Strafe mußte Dr. Ulrich Bach nach seinem Tode auf dem weißen Schimmel in der Gegend geistern. So mancher Spätheimkehrer soll ihm schon begegnet sein.