Wertach stellt sich vor
Wertach ist ein Ort mit ca. 2.950 Einwohnern und einer Fläche von 4553 ha, davon rd. 2000 ha Wald-Alpenfläche. Der Ort liegt etwa 10 km westlich der Nord-Süd-Autobahn Ulm-Kempten Reutte (Tirol) und unmittelbar an der Queralpenstraße Wertach – Tannheimer Tal, am Fuße der beginnenden großen Alpen- und Hochgebirgskette im Oberallgäu. Mit 915 m über dem Meeresspiegel ist Wertach der höchstgelegene Marktflecken Deutschlands. Das Wertachtal, nach dem gleichnamigen Fluß benannt, ist etwa 4 km von der österreichischen Landesgrenze entfernt. Es beginnt mit dem Grüntensee, der 1961 als Wasserrückhaltebecken aufgestaut wurde und ca. 134 ha groß ist, - wird nördlich flankiert von dem aus der vergangenen Eiszeit entstandenen Moränenhügel Ellegghöhe (1136 m), östlich von der Reuterwanne (1541 m), südlich Sorgschrofen (1636 m), Wertacher Hörnle (1695 m). Am Ende de Tales thront der Grünten, seine Majestät, der Wächter des Allgäus“- das Brustbild eines urgewaltigen Riesen, mit zwei mächtig ausladenden Schultern und über deren Mitte ein stolzes, felsgekröntes Haupt. Die Berge sind bis an die Gipfel mit Alpenflora und Wald bedeckt, so daß sie von jedem Wanderer mühelos gegangen werden können. Nur der Sorgschrofen und der Grünten zeigen ihre felsige Natur. Zu Wertach gehören die Filialen Hinterreute, Vorderreute, Bichel, Enthalb der Ach, auf der südöstlichen Talseite, sowie Hinterscheid, Vorderschneid, Schray, Unter- und Oberellegg und Gereute auf der nordwestlichen Seite des Tales.
Wertach ist zentral gelegen:
In östlicher Richtung sind Füssen-Oberbayern;in südlicher Richtung Österreich-Innsbruck-Oberitalien;in westlicher Richtung der Bodensee-Fürstentum Liechtenstein und die Schweiz leicht zu erreichen. Der Bahnreisende verläßt in Oy-Mittelberg (Strecke Kempten-Pfronten-Reutte) den Zug, von hier Busverbindung nach Wertach. Per Auto erreicht man Wertach über die Nord-Süd Autobahn A7 Ulm-Kempten –„Allgäuer Kreuz“, von hier Richtung Füssen-Reutte/Tirol bis Oy-Mittelberg. Von Oy-Mittelberg auf der B 310 nach Wertach.
Unterkünfte:
Ca. 2000 Gästebetten für alle Ansprüche, vom behaglichen Privatzimmer über Ferienwohnungen bis zum Hotelzimmer stehen dem Gast zur Verfügung. Fordern Sie unseren kostenlosen Prospekt mit Unterkunftsverzeichnis an!
Ausflug in die Geologie
Man kann sich heute gar nicht vorstellen, daß die bizarre Bergwelt der Allgäuer Alpen eine große vom Meer bedeckte Ebene war; denn diese Berge sind von der erdgeschichtlichen Entwicklung aus gesehen, sehr jung. Vor etwa 200 Millionen Jahren (Erdzeitalter ca. 4,5 Milliarden Jahre) haben sich wie von unsichtbarer Hand geschoben die Erdmassen vom Süden her in Bewegung gesetzt und so die große Alpenkette aufgetürmt.
Die letzten Eiszeiten halfen mit, das Gesicht der heutigen Landschaft zu prägen. So sind auch die sanften Voralpen-Hügel (z.B. die Ellegghöhen) sowie Hochmoore und Alpengletscherseen entstanden. Bis ins 17. Jahrhundert herrschte bei uns ein großer Wildreichtum. Heutige Flurnamen wie Ellegghöhe (von Elch) oder Wolfsgrube, Bärenwinkel, weisen noch darauf hin. Da sich der Lauf der Wertach einige Male verändert hat, ist es heute schwer, die Ansiedlungsgeschichte zu rekonstruieren. Fest steht nur, daß der Weiler Hinterreute die erste Ansiedlung war. Sehr früh nachgewiesen ist ein Königshof der Karolinger, nichts anderes als ein Verpflegungslager für die Soldaten, heute noch „Karolingerhof“ genannt, oder auch unter dem Hausnamen „Uff de Hofa“ bekannt.
Aus der Wertacher Geschichte
Der wohlklingende Name „Wertach“ stammt von der keltischen Flußbezeichnung „Virdo“ (gesprochen werdda). Das bedeutet, daß sich die ersten Ansiedler schon vor Christi Geburt im Wertachtal eingefunden haben. Bereits Konstantinus hat die in Rhätien eingefallenen Alemannen wiederholt um 292 im Wertachtal geschlagen. Anno 1000 bestand bereits eine Pfarrei St. Maria. Die erste Pfarrkirche soll Bischof Ulrich, der Streiter vom Lechfeld, um 955 eingeweiht haben. Etwa 1149 schenkte ein gewisser Hiltibrand dem Kloster St. Ulrich in Augsburg, welches heute noch Besitzungen hier hat, ein Gut. Der Ertrag dieses Gutes soll jährlich „40 Käslaibe“ eingebracht haben. Die Wertacher zahlten ihre Steuern an die Herren von Rettenberg (Heinrich von Röthenberg). Dieser veräußerte am 13.6.1331 das Patronatsrecht über Wertach an das Kloster Stams/Tirol. So mußte Wertach seinen Zehnten bis 1848 nach Stams entrichten. Für kurze Zeit (urkundlich erwähnt 1327 und 1434) hatten Vasallen der Rettenberger Herren in Wertach eine Burg. (Siehe Gedenkstein auf dem „Schloßbichl“ neben der St. Sebastians-Kapelle). Das Geschlecht ist aber bald erloschen und auch die Rettenberger verkauften ihre Herrschaft 1351 an den Bischof von Augsburg. Fortan lebten unsere Ahnen als Leute der sogenannten „unteren Pflege“ unter dem „Krummstab“, bis Wertach durch die Säkularisation 1803 nach Bayern kam. Bis dahin aber mußten die Wertacher vieles ertragen. So ist schon für das Jahr 1350 eine Pestseuche beurkundet. Im Jahre 1511 starben 105 Menschen daran, darunter 49 Kinder, und 1635 wurden nicht weniger als 700 Pesttote in einem Massengrab bei der heutigen Pfarrkirche bestattet. Der Pestgottesacker wurde 1865, anläßlich einer Friedhofserweiterung entdeckt, auch bei der Kirchenerweiterung 1978/79 stieß man auf Gräber,siehe Gedenktafel an der Pfarrkirche. Noch schlimmer aber hatte Wertach unter geradezu verheerenden Bränden zu leiden. Die folgende nüchterne Aufzeichnung birgt ein fast unfaßbares Maß an Tränen über Verlust von Hab und Gut. Im Jahr 1530 verbrannten 115 Häuser und die Kirche; 1569: der größte Teil des Marktes und die Kirche; 1605: 140 Häuser und die Pfarrkirche; 1632 steckten die Schweden die Kirche in Brand und ein Jahr später brannten sie den ganzen Ort bis auf sechs Häuser nieder. Die Kirche stand damals noch am Platze des heutigen Gasthof „Engel“. Die letzte große Brandkatastrophe am 16.4.1893 vernichtete110 Häuser sowie Dach und Turm der heutigen Pfarrkirche. Innerhalb von zwei Jahren entstand ein neues Wertach, deshalb sehen Sie heute im Dorf nur ein paar alte Allgäuer Bauernhäuser. Damals wurden italienische Maurer zum Aufbau des Ortes eingesetzt- über die Opfer der Napoleonischen Kriege erzählt eine Gedanktafel in der Pfarrkirche (Nordportal). Im 18. und 19. Jahrhundert erlebten die Wertacher fünf Hungerszeiten. Mißernten wirkten sich zu Katastrophen aus, da die Wertacher ehemals Selbstversorger waren. Es wurden Getreide, Kartoffeln, Hanf, Flachs usw.angebaut. Die drei Mühlräder im Wertacher Wappen zeugen davon. – Zu dieser Zeit wurde Wertach von sieben Hochwasserkatastrophen heimgesucht, die fast jedesmal sämtliche große Brücken über die Starzlach und Wertach fortspülten. Schließlich sollte ein aufmerksamer Besucher unseres Ortes die beiden kunstvoll gestalteten Kriegerdenkmäler am Friedhofsrand nicht übersehen, die als Mahnmal und zum Gedenken der mehr als 170 gefallenen Väter und Söhne Wertachs errichtet wurden. Am 28.4.1945 wäre Wertach fast zum sechsten Mal ein Raub der Flammen geworden. Nur ein paar mutige Männer haben es im letzten Augenblick verhindern können. Die Amerikaner standen bereits an der Ortsgrenze Wertachs, da befanden sich noch ca. 2000 deutsche Soldaten im Ort mit dem Befehl, die Feinde aufzuhalten. Die ersten beiden Anwesen brannten bereits.
Anführer und Originale
Umbringen aber konnte die Wertacher nichts, und sie hatten über die Jahrhunderte hinweg treffliche, trotzige und beherzte Mannsbilder in ihren Reihen. Hans von der Bach war 1430 adeliger Pfarrer in Wertach. Er war Stifter eines Jahrtages in Wertach. 1430 soll er eine Badstube in Wertach verkauft haben. Da war anno 1463 der bekannte Dekan Dr. Ulrich Bach (Sohn von Hans von der Bach), der seinen Pfarrkindern auf listige Weise die Sorgalpe zuschanzte. (s. Schimmelreitersage). Über die Sage sehen Sie Fresken am Haus „Schimmelreiter“ und am Rathaus. 1484 wird von Hans Schmid berichtet, der aus unbekannter Ursache die Stadt Kempten befehdete. Er erschlu einen Bürger auf offener Strasse, stach einigen Bürgern das Vieh auf der Alpe nieder und raubte andere aus. 1484 geriet er in die Gewalt des Kemptener Burgos, der ihn dem Herrrn von Vaduz auslieferte. Im Bauernkrieg (1525) stellten die Wertacher einen eigenen Haufen, der von dem umsichtigen und maßvollen Hans Wertz befehligt wurde. Sein Schicksal liegt im Dunkeln (siehe Freske am Elektrizitätswerk – jetzt Allg- Elektrohaus. Im Schmalkaldischen Krieg (1546) waren einige Wertacher auf Seiten der Evangelischen. Obgleich Untertanen des Bischofs von Augsburg, eilten Thomas Kloß und der Richter Utzel ins Tannheimer Tal und verhinderten das Ausrücken der Bauern gegen die „Bündler“, sie wurden dafür schwer bestraft. Im Jahre 1607 plünderten Wertacher Bauern das Haus des Richters Chr. Socher, weil er sich geweigert hatte, ihren Aufstand zu unterstützen. Ein Fußfall der Bauern vor dem Bischof und hohe Geldstrafen waren die Buße. – Um 1800 rückten die Franzosen ein und forderten eine hohe Brandschatzung, die der damalige Pfarrhauptmann Johann Führer nicht bezahlen konnte. Darauf sperrten sie den aufrechten Mann in die St. Sebastianskapelle, verschleppten ihn später und ließen ihn spurlos verschwinden, (s. Fresko am Haus im Schimmelreiterweg). Einem wackeren Bauern in Gereute, der den Franzosenpferden nicht bereitwillig genug Futter schütten wollte, hieben sie die Säbel über den Kopf, so daß er blutüberströmt zusammenbrach, Er soll´s aber „derpackt“ (ausgehalten) haben. Nicht mehr ausgehalten in Wertach hat es eine anderer, ganz findiger Kopf, der Anfang des 19. Jahrhunderts falsche Dukaten prägte und dabei erwischt wurde. In einem „Bschüttfaß“ (Jauchebehälter) versteckt, wurde er über die Grenze abgeschoben. Jos. Wittwer (geb 1817), ein begabter Schlossermeister, entwickelte ein Zündnadelgewehr. Die Aufkäufer des Bayer. Kriegsministeriums aber hatten zu wenig Verständnis oder Weitblick und so wanderte die wertvolle Erfindung über Wien in die Hände der russischen Botschaft. An der Bergkäse-Sennerei zeigt eine Freske einen der Gebr. Kramer, die 1874 erstmals den Weißlackerkäse herstellten. Am Allg. Elektrohaus in der Grüntenseestraße zeigt die Steinbüste Josef Jörg. Dieser typisch „allgäuer Mächlar“ schuf in Wertach 1896 das erste Elektrizitätswerk und versorgte einige Häuser mit Strom. 1901 baute er ein neues, größeres Werk an der Gemeindegrenze zu Jungholz und versorgte die umliegenden Orte mit Strom. 1920 ging das Werk an 144 Aktionäre aus Wertach über. 1970 wurde dieses an das Allg. Überlandwerk verkauft. Wie schon gesagt, waren die Wertacher reine Selbstversorger. Sogar drei eigene Brauereien waren am Ort. Die Leinenweberei brachte es zu einer beachtlichen Blüte. Mit Beginn der Industrialisierung und Rationalisierung, durch Verbesserung der Infrastruktur – die Eisenbahnlinie wurde 1852 nach Kempten verlegt, die Strecke Kempten – Pfronten wurde 1892 fertiggestellt – setzte auch die Arbeitsteilung in der Landwirtschaft ein. Es zeigte sich, daß sich, durch das rauhe Klima bedingt, die reine Grünlandschaft, das heißt Viehzucht und Milchwirtschaft, am Besten rentierte. Die Spezialisierung ermöglichte die Herstellung von Hartkäse (Emmentaler), außerdem wurde 1874 erstmals von den Gebrüdern Kramer der „Weißlacker Käse“ hergestellt. Als zweites rangiert der in den Zwanziger Jahren begonnene und von ein paar in die Zukunft blickenden Männern vorangetriebene Tourismus. Heute ist Wertach mit einer der führenden Luftkurorte des Oberallgäus. Neben den herkömmlichen Handwerks- und Versorgungsbetrieben siedelte sich im Jahr 1970 ein bekanntes Allgäuer Unternehmen an, trotzdem hat Wertach seinen dörflichen Charakter und seine erholsame Ruhe bewahrt.
Brauchtum und Unterhaltung
Mit dem Fasching beginnen auch die verschiedenen Vereins- und Hausbälle, die für jedermann zugänglich sind. Den Ausklang bilden die traditionellen Austrommler, verbunden mit großen Faschingsumzügen. In der Zeit zwischen Fasching und Sommer finden einige Feste statt, die auf uraltes Brauchtum zurückzuführen und erwähnenswert sind, da sie auch viele Gäste mit Begeisterung miterleben. Der erste Sonntag nach dem Faschingssonntag ist „Funkensonntag“. Im ganzen Tal werden große Scheiterhaufen entzündet, auf deren Spitze eine aus Stoff gefertigte Hexe hängt. Wenn diese zu brennen anfängt, werden symbolisch die bösen Geister, welche sich über den Winter und Fasching in den Häusern und Herzen der Menschen eingenistet haben, vertrieben und der Frühling kann einziehen. An den Tagen vor Palmsonntag herrscht unter den Buben des Ortes ein emsiges Treiben, denn es werden sogenannte Palmen angefertigt, die in der Kirche geweiht und anschließend im Ort verteilt werden. Den alten Brauch des „Maibaumaufstellens“ hat der Trachtenverein gemeinsam mit der Musikkapelle wieder neu aufleben lassen. Nach dem Aufstellen des Baumes wird für musikalische Unterhaltung und das leibliche Wohl der Gäste gesorgt. Ebenso ist das „Lärchen“ von Pfingstsonntag auf-Monat ein alter Brauch. So mancher vergeßliche Hausbesitzer und Bürger muß am nächsten Tag seine Habe im ganzen Ort zusammensuchen, zur Freude vieler Gäste. Über den ganzen Sommer wird der Gast durch ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm (Tanzveranstaltungen,Discothek,Konzerte, Brauchtumsabende- Folklore in Tanz und Lied) unterhalten. Im Sommer finden Dorf- und Bergfeste statt. Den Ausklang des Sommers bildet der große Alpabtrieb, jeweils am 18.9. (fällt dieser Tag auf einen Sonntag, wird der Abtrieb auf Montag verschoben). In diesem Zusammenhang ist in Wertachs Straßen ein großer Krämermarkt (Marktrecht). Dieser Tag ist für jeden Gast ein Erlebnis und für die Einheimischen ein Feiertag. Martinsritt und Nikolaustag sind Veranstaltungen, bei denen die Einheimischen unter sich sind.
Historische Bauten und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche St. Ulrich- Josefskapelle
Wie schon erwähnt, stand die Pfarrkirche ursprünglich am Platz des heutigen Gasthofes Engel. Nachdem die Kirche viermal ausgebrannt war und die zunehmende Verehrung des hl. Josef zum Bau einer neuen größeren Kirche drängte, wurde 1683 mit Genehmigung des Abtes von Stams die Kirche abgebrochen und mit dem Bau der jetzigen, neuen begonnen. Am 24.7.1696 wurde die neue Pfarrkirche zu Ehren des hl. Ulrich und der hl. Afra eingeweiht. Zur Pfarrei Wertach gehörte bis 1722 das österreichische Jungholz. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Wertach für einige Jahrzehnte ein weithin bekannter Wallfahrtsort zum hl. Josef. Wallfahrer kamen nicht nur aus der näheren Umgebung, sie kamen auch aus Österreich, der Schweiz, Italien und dem Elsaß. Die Josefsbruderschaft verzeichnete zur damaligen Zeit über 20.000 Mitglieder. Fährt man vom Grüntensee aus in das Wertachtal, sieht man von weitem den markanten Zwiebelturm der Pfarrkirche St. Ulrich, der nach der letzten Brandkatastrophe 1893 im modernen Stil an das barocke Kirchenschiff angebaut wurde. In den Jahren 1978/79 hat man die Kirche um zwei Joch erweitert und samt Turm restauriert. Gleich daneben steht ein Kleinod, die Josefskapelle. Sie barg ursprünglich eine wertvolle Kreuzigungsgruppe, die aus Sicherheitsgründen seit der Renovierung der Kapelle im Jahre 1975 im Mütterheim St. Marien untergebracht ist. Die jetzige Ausstattung der Kapelle, das Relief „zur Hl. Familie“ sowie das Wandkreuz wurden vom Bildhauer Otto Kobel aus Rückholz geschaffen.
St. Sebastianskapelle, "Die kleine Wies"
Etwas außerhalb von Wertach, an der Straße nach Nesselwang, steht eine Kapelle, die bereits im Jahre 1512 erbaut wurde. Sie wurde dem Hl. Sebastian, dem Pestpatron, geweiht, nachdem ein Jahr vorher die Pest nach Wertach eingeschleppt worden war. 1762 wurde die Kapelle in der jetzigen Größe gebaut, und zwar von Bernhard Metz, einem Jungholzer. Metz ließ sich bei der Planung und beim Bau sehr von der berühmten Wieskirche beeinflussen, so daß der Beiname „Kleine Wies“ zu Recht besteht. Die Fresken und das Altarbild stammen von Franz Anton Weiß, einem Maler aus Rettenberg, der diese Gemälde in den Jahren 1763/64 schuf. Sie stellen an der Chordecke die Verherrlichung Gottes durch den hl. Sebastian mit anderen Heiligen dar sowie Stationen aus dem Leben des Hl. Sebastian. Die spätbarocke Kanzel wurde von dem Wertacher Schreiner Johann Riefler 1751/52 geschaffen. Die beiden Seitenbilder stammen von Ludwig Weiß aus dem Jahre 1828 und stellen Papst Silvester und Katharina von Alexandrien dar. 1910 wurde die Kirche renoviert, zuletzt erneut von 1971 bis 1976. Die Kapelle ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit und kleine Kostbarkeit, sondern es werden auch noch heute hl. Messen gefeiert und Trauungen vorgenommen. Die Besichtigung dieses Kleinods am Rande Wertachs ist eine Bereicherung eines jeden Urlaubsaufenthaltes. Die Touristikinformation führt während der Saison wöchentlich Besichtigungen durch. Die Termine werden in der Zeitschrift „aktuell“ bekanntgegeben. Ein paar Schritte davon entfernt ist der Schloßbichel; nur ein Stein erinnert noch an die Burg des Bauherrn Ulrich. Kleinodien sind auch die sechs zur Pfarrei gehörenden Kapellen der umliegenden Ortsteile von Wertach sowie eine nachgebildete Lourdesgrotte, welche zu einem kurzen Gebet einlädt. Leider mußten viele schöne und wertvolle Kunstgegenstände vor Diebeshand geschützt und somit aus Kirche und Kapellen entfernt werden. Andere Sehenswürdigkeiten sind eine im Mittelalter erbaute Hammerschmiede sowie eine noch in Betrieb befindliche Sennerei. Von den ehemals in Wertach vorhandenen Mühlen findet der Beschauer leider nur noch die Hinweistafeln. Nur eine, die schon im Jahre 1536 erwähnte „Obere Mühle“, ist zum Teil noch erhalten. Nicht zu vergessen ist das von Herrn Zeller gegründete Heimatmuseum, in dem erlesene Stücke aus der Vergangenheit zusammengetragen wurden. befindet sich im Feuerwehrhaus. Unter anderem sehen Sie dort auch Gemälde, von dem Wertacher Maler Fr. Sales Lochbihler (1777-1854). Er hatte es bis zum Kgl. Bayer. Hofmaler gebracht. Von seiner Hand stammte der Vorhang im Münchner Hoftheater, der dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen ist. Von dem einst bei Wertach beheimateten Maler Josef Hengge ( 1890 – 1970) stammen fast alle Fresken, die an Wertacher Gebäuden sind. Auch einige seiner Bilder sind im Heimatmuseum und im Rathaus zu sehen.
Sage vom Schimmelreiter
Um die jahrelangen Grenzstreitigkeiten zwischen den Jungholzer und Wertacher Bauern wegen der Alpe Sorg zu beenden, wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts Dr. Ulrich Bach (gest. 1495), damals Pfarrer und Dekan von Wertach, beauftragt, einen Schiedsspruch zu fällen. Dr. Bach war im ganzen Landkreis als gelehrter, gottesfürchtiger Mann geschätzt und verehrt. So genoß er das Vertrauen beider Parteien. Jungholz gehörte zur damaligen Zeit noch bis 1722 zur Kirchengemeinde Wertach. Zugleich war Dr. Bach auch Medikus, Bürgermeister und Richter. Ein Bauer, so die Sage, der einiges zu verlieren hatte, soll Dr. Bach gedroht haben, ihn zu töten, falls er nicht zu Gunsten Wertachs entscheidet. In seiner Verzweiflung und um sein Gewissen zu beruhigen, ersann er eine List. Er streute am Morgen des entscheidenden Tages von seinem Garten Erde in die Schuhe, nahm vom Brunnen vor dem Haus den (Trink)-Schöpfer, steckte ihn unter seinen Hut und ritt los. als er vor dem bestellten Gremium die Grenze abgeschritten hatte, sprach er den Schwur:“ So wahr ein Schöpfer über mir, steh ich auf Wertachs Boden hier.“ Die Jungholzer mußten also verzichten und den Wertachern wurde die Alpe als ihr Eigentum zugesprochen. Zur Straft mußte er nach seinem Tode auf dem weißen Schimmel in der Gegend geistern.
Vereine und Zweckverbände
Wie in anderen Orten haben sich auch in Wertach Menschen mit gleichen Interessen zu Vereinen zusammengeschlossen. Der älteste von allen dürfte die durch die treibende Kraft der Kriege, Stammesfehden und Hunneneinfälle entstandene Schützengilde sein. Der Ursprung liegt im finsteren Mittelalter. Die Chronik weiß von Wertacher Schützen zu berichten, die sich im Bauernkrieg 1525 tapfer hervorgetan haben. 1726 wird vom Feuerschützenverein mit eigenem Schießstand berichtet. Mit der Verbesserung der Gewehre wurden neue Maßnahmen notwendig. So entstand 1880 „auf den Hofen“ ein neuer Schießstand, der aber bald aufgegeben und in der „Burgreite“ (Wolfsgrube) neu errichtet wurde. Dazu entstanden noch zwei Zimmerstutzengesellschaften, die sich dann zur heutigen Schützengesellschaft Wertach zusammengeschlossen haben. 1908 feierten die Schützen das 400jährige Jubiläumsfest. Herizu Ehrengaben: Je ein silbervergoldeter Prunkpokal von S.K.H. Prinzregent Luitpold von Bayern und Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. sowie eine goldene Uhr. 1980 feierte die Schützengesellschaft vom 6. bis 17. August ihr 475jähriges Jubiläumsfest mit einem Festzug von ca. 2000 Teilnehmern. Ein großes Festzelt war aufgestellt und am Preisschießen nahmen über 1000 Schützen teil. Die Schirmherrschaft übernahm Herzog Albrecht von Bayern. Obwohl schon lange behördliche Maßnahmen zur Feuerbekämpfung vorhanden waren, wurde erst 1864 ein Feuerwehr-Turnverein ins Leben gerufen. Äußerst schwierig waren zur damaligen Zeit die Einsätze. Da die Schläuche eine Erfindung neuerer Zeit sind, mußten die Löschmaschinen und Druckpumpen so nah wie möglich an die Feuerstelle herangebracht werden. Dennoch ist es der Wehr gelungen, viele Brände zu löschen. Heute ist unsere Feuerwehr auf das modernste ausgestattet. 1919 gründete der aus Oberbayern kommende Käser Ludwig Schreitt einen Gebirgstrachten-Erhaltungsverein. Daraus entstand 1920 der Trachtenverein „Almröserl“ und 1921 „d´Wertachtaler“; letzterer feierte 1922 Fahnenweihe. D`Wertachtaler erwerben sich große Verdienste im Tourismus und erfreuen sich großer Beliebtheit, schon als 1934 die ersten Gäste mit „Kraft durch Freude“ nach Wertach kamen, so auch heute mit ihren folkloristischen Tänzen. 1991 wurde zum 70-jährigen Jubiläum eine neue Fahne eingeweiht. Das Gründungsjahr der Musikkapelle ist nicht bekannt. Sie war bereits zur Zeit Friedrichs des Großen führend im Allgäu. 1809 wird in der Chronik eine türkische Musik erwähnt, die im Jahre 1855 in eine reine Blechmusik umgewandelt wurde. 1959 erfuhr die Kapelle die heutige Besetzung als Harmoniemusik. Sie ist aus dem Kulturleben als Freudenbringer an Festtagen und als Trostspender bei traurigen Anlässen nicht wegzudenken. Auch im Tourismus erwirbt sie sich große Verdienste, ebenso wie der Gesangsverein, der Kirchenchor und die Jodlergruppen. Aus Musik- und Gesangverein geht auch das Orchester hervor. 1888 wurde vom damaligen Lehrer Max Erdt der Gesangverein ins Leben gerufen, der in Zusammenarbeit mit dem Orchester große Erfolge erzielte. Daß sich der Verein nicht unterkriegen ließ, beweist die am 16.4.1893 über Wertach hereingebrochene Brandkatastrophe. Am Sonntag darauf sang der Kirchenchor bereits wieder in der Sebastianskapelle. In den 20 Jahren kam noch die Jodlergruppe dazu, welche heute noch an den Brauchtumsabenden großen Beifall findet. 1977 wurde eine Singgruppe, „Wertacher Singföhle“, ins Leben gerufen. 1981 kam eine junge Jodlergruppe, die „Wertacher Buabe“, hinzu.Dem ebenfalls in den 20 er Jahren gegründeten Verschönerungsverein war nur eine kurze Lebensdauer gegönnt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er als Verkehrsverein wieder ins Leben gerufen, dem zur Entlastung der Gemeinde u.a. die Aufgaben der Erstellung und Erhaltung der Wanderwege sowie die Verschönerung des Ortsbildes obliegen. Seit über 10 Jahren erfreut das Bauerntheater Urlauber und Einheimische gleichermaßen mit wöchentlichen Theaterabenden im Engelsaal. Ca. 15 aktive Hobby-Schauspieler verbinden mit ihrem heimischen Dialekt Unterhalung und Brauchtum. Zu erwähnen ist noch der Ski- und Sportverein mit seinen Sparten: Fußball, Tischtennis, Frauengymnastik, Skigymnastik und Skisport. Auch ein 1951 gegründeter Motorsport-Club findet immer mehr Freunde. Nicht zu vergessen ist das Rote Kreuz mit Wasserwacht und Bergwacht. Diese Männer verdienen ein besonderes Lob, denn sie helfen Menschenleben retten und schützen unsere Natur. Daß die Wertacher seit jeher fortschrittlich denken, beweist die 1902 erfolgte Gründung des Darlehenskassen-Vereins (seit 1911 mit Warenvermittlung) sowie das seit 1920 bestehende Elektrizitätswerk. Letzteres 1961 durch das Kraftwerk am Grüntensee erweitert, ging 1970 aus Rationalisierungsgründen an das Allgäuer Überlandwerk über. Der Aufzucht gesunden und milchwirtschaftlich leistungsstarken Viehs widmet sich die 1897 gegründete Viehzuchtgenossenschaft. Von den verschiedenen Alpenverbänden abgesehen, zum Schluß ein kurzer Blick zu den Sennereigenossenschaften. Nach Überlieferung wurde im Jahre 1856 der erste Rundkäse hergestellt. 1872 begann man im „Unteren Markt“ offiziell mit „dem Käsen“ (erste Sennerei im Allgäu ca. 1835, gegründet vom alsbald genannten „Alpenkönig“ Hirnbein). Hergestellt wurde je nach Jahreszeit Bachsteiner-, Weißlacker- und Rundkäse. 1874 stellten die Wertacher Gebrüder Kramer erstmals den Weißlacker-Käse her. Heute besteht noch die Sennerei „Unterer Markt“, jetzt Bergkäserei. Mit dieser kurzen Darstellung sollt versucht werden, unseren Gästen einen Einblick in das kulturelle und wirtschaftliche Leben Wertachs zu geben, das vorwiegend von den über 25 Vereinen und Genossenschaften geprägt wird.
















