Sage vom Schimmelreiter
Gemälde von "Josef Hengge"
Bei dieser Sage handelt es sich nicht um die berühmte „Schimmelreitersage“ von Theodor Storm, die jedes Kind schon in der Schule liest. Die Sage handelt im höchstsen Allgäu und unterstreicht eher den Eintrag im Lexikon, welcher bei „Allgäuer“ als Definition „listiges Bergvolk“ angibt.
Zwischen Unterjoch und Jungholz unterhalb des Sorgschrofens soll er schon gesehen worden sein. Meistens bei Einbruch der Dämmerung, begleitet von heulenden Winden und donnernden Blitzen, bei Vollmond und hinter grauen Nebelschwaden, mit großen Galoppsprüngen soll er sogar schon mit seinem weissen Schimmel über Alphütten gesprungen sein, und so manchem Wanderer das Fürchten lehren liess.
Um die jahrelangen Grenzstreitigkeiten zwischen den Jungholzer und Wertacher Bauern wegen der Alpe Sorg zu beenden, wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts Dr. Ulrich Bach (gestorben 1495), damals Pfarrer und Dekan von Wertach, beauftragt, einen Schiedsspruch zu fällen. Ulrich Bach, Doktor des kanonischen rechtes und der Medizin, der auch Dekan des Landkapitels Kempten war, war im ganzen Landkreis als gelehrter, gottesfürchtiger Mann geschätzt und verehrt. So genoß er das Vertrauen beider Parteien. Jungholz gehörte zur damaligen Zeit noch bis 1722 zur Kirchengemeinde Wertach. Zugleich war Dr. Bach auch Medikus, Bürgermeister und Richter. Ein Bauer, so die Sage, der einiges zu verlieren hatte, soll Dr. Bach gedroht haben, ihn zu töten, falls er nicht zu Gunsten Wertachs entscheidet. In seiner Verzweiflung und um sein Gewissen zu beruhigen, ersann er eine List. Er streute am Morgen des entscheidenden Tages von seinem Garten Erde in die Schuhe, nahm vom Brunnen vor dem Haus den (Trink)-Schöpfer, steckte ihn unter seinen Hut und ritt los. Als er vor dem bestellten Gremium die Grenze abgeschritten hatte, sprach er den Schwur:
“ So wahr ein Schöpfer über mir, steh ich auf Wertachs Boden hier.“ Die Jungholzer mußten also verzichten und den Wertachern wurde die Alpe als ihr Eigentum zugesprochen. Zur Strafe mußte Dr. Ulrich Bach nach seinem Tode auf dem weißen Schimmel in der Gegend geistern. So mancher Spätheimkehrer soll Ihm schon begegnet sein.
















